die häufigsten Libellenarten Mitteleuropas

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (2).

Hallo Libellenfreunde,

in diesem Artikel möchte ich mich Ihren Fragen widmen, welche mich recht zahlreich erreichen. Im Laufe der Zeit wird so im LibellenWissen.de Blog ein “Frage und Antwort” Katalog entstehen, in dem Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen nachlesen können. Für diesen Zweck ist die Installation einer Suchfunktion geplant, deren Umsetzung wahrscheinlich erst in den Wintermonaten realisierbar ist.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich Ihnen Ihre Fragen während der Libellen-Saison jeweils nur  in einer Kurzfassung, auf einer vereinfachten Art und Weise beantworte. Auch gibt es noch nicht immer eine Antwort auf viele Fragen. Ein Grund mehr für mich, sich intensiv mit den Libellen zu befassen.

Frage Nr.2) Welche Libellenarten sind die häufigsten Arten in unserer Region?

Diese oder eine sehr ähnliche Frage wurde mir in den Monaten von Mai bis Juli 2011 bereits 19 mal gestellt, hauptsächlich von Besitzern eines eigenen Gartenteichs. Tatsächlich sind es in erster Linie die noch ungefährdeten Arten, welche sich am Gartenteich ansiedeln. 

Fast 2 Drittel aller Libellenarten Mitteleuropas stehen auf der Roten Liste und sind mehr oder weniger stark vom Aussterben bedroht.  Der Grund dafür, dass einige Libellenarten als ungefährdet gelten, liegt an ihrer Flexibilität und den relativ geringen Ansprüchen an ihre Entwicklungsgewässer. Oftmals verraten uns die deutschen Namen schon ein wenig über die Häufigkeit bzw. erklären fast von selbst ihre Gefährdung.

Ob Hochmoor-Mosaikjungfer, Quelljungfer oder Sumpf-Heidelibelle, diese Arten tragen in ihren deutschen Trivialnamen bereits Hinweise auf ihre Lebensräume wie Hochmoor, Quelle und Sumpf.  Da diese Lebensräume selten sind, ist die Seltenheit dieser Arten ein logische Folge. Das bedeutet für den Schutz von Libellen, aber natürlich auch für alle anderen Lebewesen unserer Erde, dass nur durch den Schutz der verschiedenen Lebensräume unsere Artenvielfalt erhalten bleiben kann.

Wir sprechen von Biodiversität, welche letztendlich auch für das Leben von uns Menschen von immenser Bedeutung ist.  Es gibt naturwissenschaftliche Aufzeichnungen, wonach die Ausrottung aller Vögel unserer Erde katastrophale Auswirkungen auf unser aller Leben hätte, dass nach ca. 3 Jahren der Erdball bereits ca. 50 cm hoch mit Insekten bedeckt wäre. Sehr viele Pflanzen würden dadurch kein Licht mehr bekommen oder nicht mehr bestäubt werden. Letztendlich würden wir qualvoll ersticken, da die Photosynthese ausbliebe und somit nicht mehr ausreichend Sauerstoff produziert werden würde. Bleiben wir bei den Libellen. Für viele Vögel sind Libellen ein bevorzugtes Futter für die Aufzucht ihrer Jungen. Libellen sind reich an Vitaminen und lassen sich während des Schlupfvorgangs leicht erbeuten. Nehmen wir z.B. ein Rotkehlchen, welches ca. 60 kg  Insekten während einer Brut verfüttert. Das Rotkehlchen würde vermutlich völlig erschöpft verenden, noch bevor ihre Jungen flügge wären, wenn es denn nur Kleinstinsekten fangen müsste.

Sie bemerken sicherlich schon wie komplex unsere Natur zu betrachten ist und wie schwer es mir fällt, kurz und prägnant beim ursprünglichen Thema zu bleiben. Zu viele Dinge erscheinen mir zu wichtig, um nicht ein wenig darüber zu informieren.

Nachdem Sie hoffentlich nicht schon gelangweilt LibellenWissen.de verlassen haben, kommt nun eine Liste der Libellenarten, welche in der Roten Liste als „ungefährdet“ = RL 0  eingestuft wurden, wobei ich mich an der Roten Liste der Libellen Deutschlands (J. Ott & W. Piper) von 1998 orientiere und der Gefährdungsstatus regional abweichend sein kann, genau wie die in Klammern stehenden Flugzeiten sehr variieren können.

Kleinlibellen:

Große Pechlibelle (von April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Hufeisen-Azurjungfer (April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Becherjungfer (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Frühe Adonislibelle (April bis Juni an fast jedem Gewässertyp)

Blaue Federlibelle (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Binsenjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Beständen von Binsen oder Seggen)

Gemeine Weidenjungfer (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Weiden oder Ähnlichem in Ufernähe)

Kleines Granatauge (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Pokaljungfer (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Gebänderte Prachtlibelle (Vorwarnliste!) (Mai bis September vorwiegend an fließenden Gewässern)

Großes Granatauge ( Mai bis August an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Großlibellen:

Vierfleck (April bis August an fast jedem vegetationsreichen Gewässertyp)

Plattbauch (April bis Juli an fast jedem Gewässertyp, bevorzugt vegetationsarme, neuere Gewässer)

Großer Blaupfeil (Mai bis September an fast jedem stehenden Gewässertyp)

Blutrote Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Große Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem stehenden Gewässer)

Gemeine Heidelibelle (Juni bis November an fast jedem stehenden, vegetationsreichen Gewässer)

Schwarze Heidelibelle (Juli bis November bevorzugt an kleineren, stehenden Gewässer)

Große Königslibelle (Mai bis August an fast jedem stehenden Gewässer)

Blaugrüne Mosaikjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp, sogar in Regentonnen)

Herbst-Mosaikjungfer (Juli bis November an fast jedem Gewässertyp)

Glänzende Smaragdlibelle ( Mai bis September an fast jedem Gewässertyp mit ausreichendem Platz für ihren Jagdflug)

Falkenlibelle (Vorwarnliste!) (April bis Juli an fast jedem stehenden Gewässer)

Westliche Keiljungfer (Vorwarnliste) (Mai bis August an fast jedem vegetationsarmen Gewässer)

Feuerlibelle (noch nicht lange heimisch, vermutlich aber ungefährdet) (Juni bis August an stehenden, sonnigen, flachen Gewässern)

Sie haben auch eine Frage? Dann senden Sie mir ihre Frage ganz einfach per Mail. Vielleicht finden Sie ja  hier bei LibellenWissen.de schon in der darauffolgenden Woche eine Antwort auf Ihre Frage.

Viele Grüße Andreas

Libelle des Jahres 2011 – die Feuerlibelle

Zur Libelle des Jahres 2011 wurde die Feuerlibelle gewählt

In diesem Jahr haben sich der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), gemeinsam mit der GdO (Fachgesellschaft für Libellenkundler) für die Feuerlibelle – Crocothemis erythraea entschieden. Die Feuerlibelle wurde zur Libelle des Jahres 2011 gekürt, da sie sich bestens eignet, die Veränderungen in unserer Natur aufzuzeigen und eventuell rechtzeitig auf Veränderungen reagieren können.

Die Feuerlibelle gilt als Anzeiger der fortschreitenden Erderwärmung. Erst seit Mitte der 80er Jahre wurde die ursprünglich in Südafrika beheimatete Feuerlibelle vorerst in Rheinland Pfalz heimisch, bevor sie  innerhalb von 20 Jahren auch Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern erobern konnte.

Der Klimawandel bringt uns also neue Arten ins Land, was eigentlich sehr schön ist, aber leider verschwinden dafür auch andere, alt eingesessene Libellenarten. Es bilden sich neue Artengemeinschaften, deren Zusammensetzung sich regional gewaltig unterscheiden können.

Als Besucher von LibellenWissen.de und Leser meines Blogs haben Sie sich vielleicht schon einmal gefragt, ob sie selbst nicht auch in irgendeiner Art und Weise etwas zum Naturschutz beitragen können. Die Antwort ist ja, beteiligen Sie sich an der vom BUND und der Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen ins Leben gerufenen Aktion „Feuermelder“, indem Sie ganz einfach Ihre Beobachtungen auf der Homepage des BUND bzw. auf Naturgucker.de melden. Kostenlos anmelden, Art, Anzahl, Datum und Fundort in die Eingabemaske eingeben und Sie helfen dabei einen besseren Überblick zur Verbreitung der Feuerlibelle zu bekommen und schneller somit auch besser auf Veränderungen in der Natur reagieren zu können. Seid ihr euch nicht sicher welche Libellenarten in eurem Beobachtungsgebiet vorkommen, dann stellt eure Fotos bei Naturgucker.de ein und lasst ech von geübten Libellenkundlern die Libellen bestimmen.

Aufgrund der für mich erfreulichen, aber unerwartet großen Resonanz, welche LibellenWissen.de für sich verbuchen kann, ist es mir leider nicht möglich sämtliche Bestimmungsanfragen die mich per Mail erreichen, zeitnah zu beantworten. Ich bitte um euer Verständnis.

Hier geht es zu „Naturgucker.de„, die Bestimmungs- und Meldeplattform für Libellenfreunde, wo ihr eure Funddaten melden und so einen Teil zum Schutz der Libellen beitragen könnt.

Ihr/euer Andreas Thomas Hein

Libellentour im Norden Brandenburgs

Exkursionsbericht, Libellentour vom 14. Mai 2011

Hallo Natur- und Libellenfreunde,

heute möchte ich ein wenig von dem berichten, was wir am Wochenende, trotz des trüben, windigen Wetters für Libellenarten im Norden Brandenburgs finden konnte.  Am Samstag brachen mein regelmäßiger Exkursionsbegleiter und mittlerweile lieb gewonnenen Freund Bernd Cegielka und ich auf, um in der Uckermark Libellen zu kartieren. Unser Hauptinteresse galt den Moosjungfern, von denen wir in diesem Jahr bereits 4 von 5 in Deutschland vorkommenden Arten nachweisen konnten. Die 5. noch fehlende Östliche Moosjungfer dürfte jedoch in den nächsten Tagen als Larve das Wasser verlassen, sich zum letzten Mal häuten und somit das Brandenburger Moosjungfern Ensemble komplettieren.

Am Zielgewässer (See mit Schwimmblattvegetation) gegen 8:00 Uhr angekommen, konnten wir erfreulicher Weise direkt eine frisch geschlüpfte Dame namens Zierliche Moosjungfer am Uferrand, in der noch recht kargen Vegetation finden. An nahezu jedem Halm hing mindestens eine Exuvie, meist von Falkenlibellen, den Vierflecken, der Frühen Schilfjäger und allerhand Kleinlibellen, wie die der Großen Pechlibellen, Hufeisen-Azurjungfern, Fledermaus-Azurjungfern und der Großen Granataugen. Leucorrhinia caudalis Weibchen

Dann fielen uns einige Keilfleck-Mosaikjungfer auf, deren Flügel und Abdomen teilweise stark beschädigt waren. Die Tiere waren offensichtlich am Vortag geschlüpft und bei dem kühlen Wetter nicht rechtzeitig fertig geworden, bevor in der Nacht ein heftiges Unwetter über das Gebiet zog. Wir zählten insgesamt 7 völlig deformierte Individuen dieser in vielen Bundesländern doch eher seltenen Art. Mittlerweile war eine Stunde vergangen und wir hatten nunmehr 6 frische Imagines der Zierlichen Moosjungfer finden können. Wir mussten jeden Schritt mit äußerster Vorsicht tätigen, da nun langsam überall um uns herum verschiedene Larven einen Halm hinauf aus dem Wasser kletterten. Sowohl Kleinlibellen als auch Großlibellen Epitheca bimaculata mit Exuvie in einer so großen Zahl, wie wir es selbst bisher noch nicht erlebt haben. Links neben mir eine Larve vom Zweifleck, rechts neben mir eine Larve von der Zierlichen Moosjungfer, vor mir einen Larve der Kleinen Königslibelle Anax parthenope Schlupf , von den immer noch massig schlüpfenden Vierflecken, Falkenlibellen und oben genannten Kleinlibellenarten ganz zu schweigen. Leider ließ die Sonne sich kaum blicken, so dauerten die Schlupfvorgänge sehr lange an und das Licht war auch leider zu miserabel um meinem Anspruch entsprechend, gute Aufnahmen machen zu können. So blieb es dann bis 12:00 Uhr mittags nur bei zahlreichen Belegfotos. Schließlich packten wir unsere Sachen zusammen und besuchten einen Feldsoll in nur wenigen Kilometern Entfernung.

Dort angekommen trauten wir unseren Augen kaum. Für uns ist es nicht mehr ungewöhnlich tausende von Kleinlibellen an einem Biotop vorzufinden. Hier jedoch standen wir vor einem relativ kleinen Loch, welches uns die Eiszeit hinterlassen hat. Bei jedem Schritt flogen mindestens 30 Kleinlibellen aus dem Gras oder dem Schilf auf. Ohne zu übertreiben konnten wir mehrere tausend Hufeisen-Azurjungfern, ca. 1000 Fledermaus-Azurjungfern, mindestens 500 Große Pechlibellen, ebenso viele Große Granataugen und ein paar frisch geschlüpfte Federlibellen beobachten.

Das Highlight allerdings war der Fund von 16 Männchen und einem Weibchen der Mond-Azurjungfer Coenagrion lunulatum_male Für uns die erste Begegnung mit dieser stark gefährdeten Kleinlibellenart, von der es in Deutschland nur wenige Fundorte gibt.

Insgesamt ein Tag, an dem wir uns wenig Hoffnung machten, besondere Beobachtungen machen zu können. Ganz nebenbei sprang direkt vor uns ein kapitaler Rothirsch aus dem Schilf, der uns zutiefst beeindruckte und eine kurze Begegnung mit einem Laubfrosch möchte ich nicht unerwähnt lassen.

Ich hoffe ihr habt nun ein wenig Lust darauf bekommen, eventuell einmal Natur pur zu genießen und Urlaub in Brandenburg zu machen.

 

Mit den besten Grüßen Andreas Th. Hein

edit: bereits 2 Tage später konnten wir die ersten Östliche Moosjungfern finden, womit nun alle 5 in Mitteleuropa vorkommenden Arten der Moosjungfern geschlüpft sind. Leucorrhinia albifrons Weibchen

Ca. 4800-5600 Libellenarten weltweit !

Bisher sind uns ca. 4800-5600 Arten der Libellen weltweit bekannt

Wie viele sind es wirklich?

Sie fragen sich auch, warum eine solch ungenaue Aussage? Eine Frage die mich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach erreichte.

Hier der Versuch einer Antwort:

Ich habe mich einmal im Netz umgeschaut und eine Suchmaschine bemüht,  Artikel zu der Phrase  „Libellenarten weltweit“ zu finden. Ich staunte nicht schlecht, da gibt es Angaben von 3000 bis zu 5829 Arten. Am häufigsten ist die Rede von „über 5000 Libellenarten“. Nach der aktuellsten Liste „World Odonata List“ von Martin Schorr, Dennis Paulsen und Martin Lindeboom sind sogar 6098 verschiedene Arten der Libellen gelistet, zusätzlich noch fast 4000 Unterarten. Stand per 05.12.2015.

Wie kann das also sein, dass so viele unterschiedliche Mengenangaben zu lesen sind? Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Da wäre z.B. das Erscheinungsdatum der verwendeten Weiterlesen

Ausrottung der Bienen stoppen

Rettet die Bienen !

Hallo liebe Naturfreunde,

in dieser Woche (11.01.2011) erreichte mich eine Mail mit erschütternden Tatsachen.

Wie lange wird es dauern, bis das Leben auf unserem Planeten unmöglich ist?  

Lest selbst und entscheidet, ob ihr mit eurer Unterschrift ein wenig zum Erhalt der Bienen beitragen möchtet:

Kopie der Mail von Avaaz.org :

„Liebe Freundinnen und Freunde,

lautlos sterben Milliarden von Bienen und unsere gesamte Nahrungskette ist in Gefahr. Bienen machen nicht nur Honig, sie sind eine bescheidene und dennoch riesige Arbeitskraft und bestäuben 90% der Pflanzen, die wir anbauen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien machen eine bestimmte Gruppe von Pestiziden für das Bienensterben verantwortlich. In den vier europäischen Ländern, in denen dieses Gift verboten wurde, Weiterlesen

Wert von Laien/Amateurarbeit für die Biodiversitätsforschung

Unter dem Motto , Public goes Science, veranstaltete der Naturschutzbund Österreich am 1.Juli 2010 in Salzburg einen interessanten und unterhaltsamen workshop zu dem ich eingeladen wurde. Es war eines meiner highlights in diesem Jahr daran teilgenommen zu haben. Mehr dazu entnehmen sie bitte der pdf Datei :  Memorandum_Public goes Science.

Tagung im St Virgil / Salzburg.

Gruppenfoto der Teilnehmer (ganz vorn,der 2. v. rechts, ja genau, der mit dem blauen Hemd, das bin dann ich).

Fotograf = Alexander Maringer